IMMIGRA
beraten - informieren - tagen - vernetzen
Das Veranstaltungskonzept
Die „IMMIGRA“ ist ein Veranstaltungskonzept, das von der Landeshauptstadt Saarbrücken (Zuwanderungs- und Integrationsbüro) und von der Forschungs- und Transferstelle Gesellschaftliche Integration und Migration GIM (FITT gGmbH) im Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ gemeinsam entwickelt und mehrfach durchgeführt wurde.
Unter dem Motto „beraten – informieren – tagen“ steht die IMMIGRA für die Themen „Migration – Teilhabe – Arbeitsmarkt“. Das Veranstaltungsformat vereint Fachtagung sowie Informations- und Beratungsbörse miteinander und adressiert damit Akteure und Ratsuchende mit Migrationshintergrund gleichermaßen.
Die Fachtagung bietet Vorträge mit Diskussionen oder interaktive Kleingruppenarbeit zu aktuellen, regional relevanten Themen. Begleitend finden eine Informations- und Beratungsbörse sowie Workshops statt, deren Inhalte sich an politischen, gesellschaftlichen oder integrationsrelevanten Schwerpunkten orientieren und idealerweise unter Beteiligung der Zielgruppe entwickelt werden. Der Erfolg der IMMIGRA basiert maßgeblich auf der Vernetzung und aktiven Mitwirkung vielfältiger Kooperationspartner*innen wie Stiftungen, Verbände, Kommunen, Ministerien und Migrant*innenvereine.
Acht Mal fand die IMMIGRA von 2008 bis 2015 im Saarland und dem Bundesgebiet statt. Wir hoffen, weiteren Kommunen und Akteuren an anderen Orten Lust zu machen auf eine eigene, regionale IMMIGRA! Sie sind überzeugt? Dann sprechen Sie uns gern an, wir unterstützen Sie gerne bei der Planung und Organisation Ihrer ersten IMMIGRA.
Perspektive der Ratsuchenden
Das Veranstaltungskonzept der IMMIGRA nimmt konsequent die Perspektive von Ratsuchenden in den Blick. Auf der IMMIGRA kommen Akteure aus dem Handlungsfeld der beruflichen und gesellschaftlichen Integration zusammen. Sie präsentieren ihr Angebot und bieten den Ratsuchenden nach Themen sortiert Information und Beratung. Im Fokus stehen also nicht die Anbieter und Träger, sondern die Besucher*innen, die Antworten auf ihre Fragen suchen.
Prozesskette der beruflichen Integration (IQ)
Die fünf Phasen der Prozesskette stellen Stationen und Aufgaben auf dem Weg der beruflichen Integration dar, die nicht streng chronologisch durchlaufen werden müssen. Individuelle Verläufe erlauben “Sprünge” vorwärts oder rückwärts und erfordern nicht immer das Durchlaufen aller Phasen. Damit dient das Phasenmodell dazu, unterschiedliche Ausgangssituationen und Bedarfe von Personen abzubilden.
Analyse- und Vernetzungsinstrument
Für Akteure im Handlungsfeld ermöglicht die Zuordnung ihrer Angebote zu den jeweiligen Phasen eine Analyse der lokalen Unterstützungsstrukturen. Hierbei können folgende Fragen beleuchtet werden:
- Welche Unterstützung wird in welchen Phasen angeboten?
- Wo gibt es viele Angebote und wo zeigen sich Lücken?
- Wie sind die Übergänge zwischen den Angeboten und Phasen organisiert?
Diese Analyse bildet die Grundlage für eine integrierte Planung von Diensten und Maßnahmen, die Übergänge berücksichtigt und mögliche Funktionsbrüche oder Übergabeprobleme identifiziert und behebt. Zudem wird ersichtlich, ob Fachkräfte das Unterstützungssystem überblicken und Ratsuchende zuverlässig vermitteln können.
Optimierung der Zusammenarbeit und Kommunikation
Die Prozesskette fördert die Reflexion über Spezialisierungen und die Zusammenarbeit der Akteure, um sicherzustellen, dass sich alle Beteiligten für den Gesamterfolg verantwortlich fühlen.
Strukturierung von Informations- und Beratungsangeboten
Die Prozesskette kann auch als Strukturierungsinstrument für die Informations- und Beratungsbörse dienen. Durch die Gliederung nach Phasen (z.B. visualisiert durch Wandplakate) finden Ratsuchende gezielt die für ihre aktuelle Situation relevanten Informationen und Beratungsangebote. Gleichzeitig fördert dies die Vernetzung und Bekanntheit der regionalen Akteure und ihrer Leistungen.
Phase 1: Zugang, Ansprache und Informationen
"Ich stehe ganz am Anfang. Vieles ist unklar, weil sich meine Lebenssituation geändert hat. Arbeit ist wichtig, aber viele andere Dinge müssen auch bedacht werden. Wer kann mir helfen, wo kann ich hingehen, was gibt es alles in der Region?"
Phase 1 widmet sich den ersten Schritten eines beruflichen Einstiegs oder einer beruflichen Veränderung. Oft herrschen in dieser Phase Informationsdefizite bei aufenthalts- und arbeitsrechtlichen Fragen, zu Sprachkursen, zu Schule und Familienangelegenheiten, zu Möglichkeiten der beruflichen Beratung und Weiterbildung und zur Anerkennung von ausländischen Qualifikationen vor. Deshalb ist es wichtig, dass grundlegende Informationen für eine (berufliche) Integration zur Verfügung stehen, diese auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt und für alle zugänglich und verständlich sind.
Zwar findet in dieser Phase noch keine spezifische Beratung statt, aber es werden Basisinformationen zu allen Belangen der Integration und ein Überblick zu rechtlichen Rahmenbedingungen sowie zu lokalen Strukturen vermittelt, um die Voraussetzungen für den Prozess der (beruflichen) Integration zu schaffen.
Phase 2: Der Prozess der beruflichen Orientierung und Planung
"Informieren, Beraten lassen, Planen - Ich habe eine Idee, wie ich beruflich starten will. Jetzt brauche ich Unterstützung. Wer sagt mir ganz genau, was jetzt zu tun ist? Wer begleitet mich bei den Schritten, die jetzt zu gehen sind. Wer hilft mir beim Auswählen, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt?"
Diese Phase hat das Ziel, dass die Person alle weiteren Informationen zur Orientierung für die berufliche Perspektive erhält bzw. sich selbst verschaffen kann und auf dieser Basis eine realistische Einschätzung zur Realisierung ihres Berufszieles in Angriff nehmen kann. Angeboten wird eine Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung oder einem Wiedereinstieg, bei der Suche nach einer geeigneten Umschulung oder Weiterbildung, bei Bewerbungen oder bei der Suche nach alternativen beruflichen Möglichkeiten.
Im Ergebnis erfolgt eine Abschätzung und Abwägung von potenziellen Realisierungswegen und eine Planung der dazu notwendigen nächsten Schritte.
Phase 3 - Der Prozess der Umsetzung und Qualifizierung
"Lernen, Üben, Prüfung machen - Ich weiß, was mein Ziel ist und was mir noch fehlt. Wie bewerbe ich mich? Wo finde ich die richtigen Angebote? Was muss ich selbst bezahlen, wofür gibt es Geld? Wie sieht mein Businessplan aus?"
In diesem Teilprozess wird die Erweiterung und Entwicklung vorhandener Kenntnisse und Fähigkeiten angestrebt, um die individuellen Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern. Dies können Trainingsmaßnahmen, (berufsbezogene) Deutschkurse oder (berufsspezifische) Maßnahmen sein wie Nach- oder Anpassungsqualifizierung oder Fort- und Weiterbildung.
Beendet ist der Umsetzungs- und Qualifizierungsprozess, wenn die Person über die angestrebten Kenntnisse und Kompetenzen verfügt und diese für einen Arbeitsprozess erfolgreich anwenden kann.
Phase 4 - Der Einstieg in die Erwerbstätigkeit
"Job finden, Selbstständig werden - Ich will jetzt auf den Arbeitsmarkt, als Beschäftigte*r oder Selbstständige*r. Wo finde ich eine Arbeitsstelle, wie stelle ich mich vor, wie gehe ich mit Diskriminierung bei Bewerbungs- und Einstellungsgesprächen um? Welchen Vertrag kann ich getrost unterschreiben, welchen besser nicht?"
In der Phase 4 ist die enge Kooperation mit Betrieben wichtig. Der Einstiegsprozess umfasst Recherche, Bewerbung, Vermittlung und Beginn einer (selbstständigen) Erwerbstätigkeit, vielleicht auch über ein Praktikum.
Zur Unterstützung braucht es Angebote, die zu den individuellen Situationen passen: Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche oder dem Bewerbungsverfahren, Coaching beim Einstieg in die Selbständigkeit oder Vermittlung über Betriebskontakte. Der Teilprozess ist beendet mit der Aufnahme einer (selbstständigen) Erwerbstätigkeit.
Phase 5 - Der Sicherungs- und Entwicklungsprozess in der Erwerbstätigkeit
"Karriere machen, Erfolgreich sein - Ich kann mehr! Wie komme ich weiter?"
Der Sicherungs- und Aufstiegsprozess (im Fall von Selbstständigkeit: Konsolidierung und Wachstum) umfasst eine Festigung und Weiterentwicklung der begonnenen (selbstständigen) Erwerbstätigkeit. Dies umfasst die Bereitstellung und Ermöglichung potenzieller Begleitungs-, Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote sowie die Stärkung der (Eigen-)Initiative zur Wahrnehmung eines eigenständigen Lernprozesses.
Das Ziel ist eine (selbstständige) Erwerbstätigkeit und Erwerbssicherung außerhalb eines prekären Arbeitsverhältnisses oder unabhängig von staatlichen Transferleistungen.
IMMIGRA Schritt für Schritt
Sie haben ein Thema in der Region, zu dem Sie tagen möchten? Besucher und Besucherinnen sollen sich über Themen informieren und sollen von Akteuren beraten werden? Akteure möchten sich untereinander vernetzen? Dann nutzen Sie das Veranstaltungsformat der IMMIGRA.
Unsere Checkliste “IMMIGRA Schritt für Schritt” hilft Ihnen bei der Planung und Durchführung.